Polizei
Stuttgarter fühlen sich mehrheitlich sicher.
Öffentliche Sicherheit in Stuttgart im Spiegel der Bürgerumfragen

„Im Rahmen der Bürgerumfrage 2009 wurde, wie bei der letzten Bürgerumfrage 1999, als Schwerpunktthema „Öffentliche Sicherheit“ gewählt. Auf dieser Datengrundlage lässt sich eine aktuelle und umfassende Bestandsaufnahme zum Sicherheitsgefühl der Bürger in dieser Stadt und seiner Entwicklung in den letzten zehn Jahren erstellen“, so Dr. Martin Schairer, Bürgermeister für Recht, Sicherheit und Ordnung. Zusammen mit Thomas Schwarz, Leiter des Statistischen Amtes, stellte Dr. Schairer die Ergebnisse einer Studie des Statistischen Amtes vor.

Dr. Schairer weiter: „Ergänzend zur Bürgerumfrage 1999 wurden für die aktuelle Untersuchung Fragenkomplexe zur Kriminalprävention und zum Vermeidungsverhalten neu entwickelt. Die erstmals vorgenommene Aufbereitung der Ergebnisse nach Stadtbezirken geben zudem wichtige Hinweise auf kleinräumige Unterschiede in der subjektiven Lagebeurteilung. Die Ergebnisse der Studie belegen eine sehr positive Einschätzung der öffentlichen Sicherheit in Stuttgart und im Zeitvergleich, zum Teil deutlich bessere Bewertungen.“

Das Thema öffentliche Sicherheit in den Stuttgarter Bürgerumfragen

Die zentralen Indikatoren zur subjektiven Kriminalitätswahrnehmung werden in der Bürgerumfrage regelmäßig im Zwei-Jahres-Rhythmus untersucht. Dazu wird zunächst nach den größten Problemen gefragt, um anschließend die Priorität der Aussagen in einer Rangliste aufzuzeigen. Mittlerweile sind dadurch sehr wertvolle Zeitreihenergebnisse seit 1995 für Stuttgart vorhanden.

Für Bürgermeister Dr. Schairer zeigen die Ergebnisse der Studie, dass „die subjektive Kriminalitätslage von der Stuttgarter Bevölkerung auf hohem Niveau positiv beurteilt wird. Kriminalitätsthemen sind in der Bürgerumfrage auf der Problemagenda nicht mehr auf den Spitzenplätzen zu finden.“ 64 Prozent der Stuttgarter erklären bei der Bürgerumfrage, sie seien mit der öffentlichen Sicherheit in Stuttgart „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“. 76 Prozent der Befragten sehen keinen Anlass, aus Angst Opfer einer Straftat zu werden, ihre Freizeitaktivitäten einzuschränken.

Bei der Einschätzung der Sicherheitslage bleiben die Bürger allerdings eher vorsichtig. An der öffentlichen Sicherheit solle nicht gespart werden, da sie in ihrer Zukunftserwartung mehrheitlich in puncto öffentliche Sicherheit entweder eine gleich bleibende Situation (55 Prozent) oder eher eine Verschlechterung (37 Prozent) erwarten.

Bei einer vertiefenden Betrachtung etwaiger Sicherheits- und Ordnungsprobleme in der Wohngegend wird deutlich, dass es am häufigsten Probleme der Verkehrsdisziplin sind, die die Bürger problematisieren.

Das persönliche Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, schätzen die Stuttgarter als gering ein. Die größten Befürchtungen werden hinsichtlich etwaiger Pöbeleien, mutwillige Autosachbeschädigungen und Fahrraddiebstahl gesehen.

Da die befragten Stuttgarter wenig Angst davor haben, Opfer einer Gewalttat zu werden, schränken sie sich in ihrem Freizeitverhalten kaum ein. Wenn sie Gewohnheiten aus Angst vor einer Straftat ändern, dann am ehesten nachts, indem sie auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten oder Parkhäusern/Tiefgaragen meiden.

Knapp 60 Prozent der Stuttgarter geben an, Kriminalpräventionsmaßnahmen schon einmal zur Verbesserung ihrer eigenen Sicherheit getroffen zu haben. In erster Linie betrifft dies zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen am Haus beziehungsweise der Wohnung (55 Prozent beziehungsweise 33 Prozent aller Befragten). Knapp ein Drittel der Befragten, die eine Präventionsmaßnahme schon selbst getroffen haben, gibt an, nach Einbruch der Dunkelheit nur noch in Begleitung auf die Straße zu gehen.

Um Straftaten vorzubeugen, wünschen sich viele Befragte (77 Prozent) ein mutiges Eingreifen von Bürgern. Auch in der Hilfe für auffällige Jugendliche sehen die Bürger eine Maßnahme, die noch verstärkt werden könnte. Konträr bewertet die Bevölkerung die Möglichkeit, durch polizeiliche Präsenz vorzubeugen. Fast die Hälfte sieht hier Defizite, 40 Prozent sind mit der Situation zufrieden und knapp jeder Zehnte möchte sogar weniger Polizeipräsenz.

Besonders aufschlussreich und auch neu waren die Ergebnisse der Bürgerumfrage zum Sicherheitsgefühl in den Stadtbezirken und der dort wahrgenommenen Polizeipräsenz, die auch ein dazu passender Indikator ist:

 

 

 

Sicherheitsgefühl in den Stadtbezirken

Die hohen Fallzahlen der Bürgerumfrage erlauben auch eine Auswertung der Fragen unterhalb der Gesamtstadtebene für die Stadtbezirke. Kleine Stadtbezirke werden zusammengefasst (Plieningen und Birkach; Hedelfingen, Ober-, Untertürkheim, Wangen; Mühlhausen, Münster; Stammheim, Zuffenhausen), um aussagefähige, repräsentative Fallzahlen zu erhalten. Ausgewiesen werden insgesamt
17 Stadtbezirksergebnisse.

Karte 1 zeigt die Einschätzung des „Sicherheitsgefühls abends bei Dunkelheit in der Wohngegend“ in den 17 (darstellbaren) Stadtbezirken nach den zusammengefassten Anteilen „sehr sicher“ und „eher sicher“ in Prozent. Die Schwankungsbreite innerhalb der Stadtbezirke ist mit 20 Prozentpunkten nicht allzu groß; Mühlhausen/Münster erreicht mit einem Anteil von 68 Prozent „sehr sicher/eher sicher“ den niedrigsten Wert, Degerloch mit 88 Prozent den höchsten. Sieben Stadtbezirke erreichen unterdurchschnittliche Werte gemessen an der Gesamtstadt. Es sind dies durchweg die Stadtbezirke in der nördlichen Hälfte Stuttgarts. Ein überdurchschnittliches Sicherheitsgefühl herrscht in den Innenstadtbezirken West und Ost sowie auf den Fildern vor. Beachtlich sind die Ergebnisse von Stuttgart-Süd, Botnang, Degerloch und Vaihingen, wo sich 83 Prozent und mehr der Befragten abends bei Dunkelheit sehr sicher oder sicher fühlen

Bewertung der Polizeipräsenz in den Stadtbezirken

Die Präventionsmaßnahme Polizeipräsenz ist nicht nur die Maßnahme, die als einzige von beinahe allen befragten Stuttgarter bewertet werden konnte, es ist auch die Maßnahme, bei der die Bürgerurteile besonders kontrovers ausgefallen sind. Auch diese Frage wurde kleinräumig nach Stadtbezirken aufbereitet. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Bürger bei der Beantwortung dieser Frage noch nicht die persönlichen Erfahrungen auf der Basis der am 1. Februar 2009 in Kraft getretenen Strukturreform des Polizeipräsidiums Stuttgart mit einer neuen Revierstruktur (dabei wurden die 14 Polizeireviere im Stadtgebiet zu 8 Großrevieren zusammengelegt) einfließen lassen konnten.

47 Prozent aller Befragten stufen die Polizeipräsenz als „sehr wenig/eher wenig“ ein. Ein Zuwenig an polizeilicher Präsenz wird vor allem in Weilimdorf, Mühlhausen/Münster und Sillenbuch beklagt (Karte 2, links). Bei Sillenbuch mag dies überraschen, da hier im Vergleich zu den beiden anderen Bezirken ein überdurchschnittlich hohes Sicherheitsgefühl in der Wohngegend vorherrscht (Karte 1). Auf der anderen Seite wird in den Innenstadtbezirken Mitte, Süd und West die Polizeipräsenz am wenigsten als defizitär beurteilt.

 

In Karte 2 rechts, werden die Einstufungen „gerade richtig“ hinsichtlich der Polizeipräsenz in den 17 (gebildeten) Stadtbezirken präsentiert. 40 Prozent aller Befragten geben dieses Votum generell ab. Unter diesem Durchschnitt liegen neun Stadtbezirke, und von diesen insbesondere Weilimdorf, Mühlhausen/Münster und Plieningen/Birkach. Überdurchschnittlich oft wird „gerade richtig“ in West, Süd, Nord, Degerloch und Bad Cannstatt angekreuzt.

In Verbindung mit den Prozentanteilen der Einschätzung „sehr wenig/eher wenig“ lässt sich eine relativ hohe Zufriedenheit mit der Polizeipräsenz in den Innenstadtbezirken (außer Ost, der eine durchschnittliche Gesamtbewertung erkennen lässt) sowie in Degerloch und in Bad Cannstatt feststellen. Auch Feuerbach kann zu dieser Kategorie gezählt werden.

Bemerkenswert sind nicht zuletzt die Bewertungen der Befragten in Sillenbuch, Möhringen und Plieningen/Birkach, in denen sich einerseits ein hohes Sicherheitsgefühl in der Wohngegend und andererseits überdurchschnittlich oft ein Zuwenig an Polizeipräsenz widerspiegeln.

Eine Diskrepanz ist für Bad Cannstatt zu beobachten, wo zwar das Sicherheitsgefühl der Einwohner nur unterdurchschnittlich ausgeprägt ist, aber die Zufriedenheit mit der Polizeipräsenz vergleichsweise hoch ist.

Bürgermeister Dr. Schairer bewertete die Untersuchung zusammenfassend so: „Man kann mit den Ergebnissen der Studie zur öffentlichen Sicherheit in Stuttgart sicherlich sehr zufrieden sein. Der eingeschlagene Weg in Stuttgart öffentliche Sicherheit kommunalpolitisch mit hoher Priorität und flankiert von zahlreichen Maßnahmen, die sich unter dem Schlagwort ‚Die Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft’ zusammenfassen lassen, anzugehen war und ist richtig. Es ist gewiss auch eine Bestätigung der Arbeit der Polizeibehörden in unserer Stadt. Die Ergebnisse zeigen aber auch eindeutig, dass für die Bürger die öffentliche Sicherheit ein hohes Gut ist und dass sie von den Verantwortlichen kein Nachlassen in den Anstrengungen erwarten. Im Detail hat die Studie nicht zuletzt sowohl thematisch als auch kleinräumig einige nachdenkenswerte Anregungen ergeben, wie und wo aus Sicht der Befragten punktuell noch Verbesserungen der öffentlichen Sicherheit möglich wären. Ich empfehle daher nachdrücklich, allen zuständigen Stellen, die sich haupt- und ehrenamtlich mit dem Thema öffentliche Sicherheit beschäftigen und hier engagierte Arbeit leisten, mit den Ergebnissen der Untersuchung auseinandersetzen.“

 

 

 

Weitere Hinweise

Die Untersuchung zur „Öffentlichen Sicherheit in Stuttgart“ wird in der Veröffentlichungsreihe des Statistischen Amtes als Monatsheft 5/2010 abgedruckt. Es ist beim Statistischen Amt, Eberhardstraße 39, 70173 Stuttgart, Telefon 216-98570, im Internet unter www.stuttgart.de/statistik oder per E-Mail an komunis@stuttgart.de zum Preis von vier Euro erhältlich.

 





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