Die Landeshauptstadt Stuttgart geht zusammen mit dem Siedlungswerk das Thema Umweltschutz offensiv an, wie das Beispiel Seelberg Wohnen zeigt.
In Bad Cannstatt entstehen auf dem Gelände der ehemaligen Strickmaschinenfabrik Terrot derzeit etwa 160 Wohneinheiten, darunter barrierefreies Wohnen und Seniorenwohnungen, ein Kindergarten für sechs Gruppen sowie ein Pflegeheim der St. Anna-Stiftung. Das Areal umfasst künftig etwa 17.500 Quadratmeter Wohnfläche. Insgesamt werden dafür rund 45 Millionen Euro investiert.
Das Konzept zur Wärmeversorgung ist neu in Stuttgart: Ein 76 Meter langer Wärmetauscher entzieht dem Hauptabwassersammler in der Daimlerstraße Energie, die zur Grundlastabdeckung von Heizung und Warmwasser für das gesamte Areal dient. Das verringert den Ausstoß von CO2 um 40 Prozent. Das Konzept ist wetterunabhängig, da das Abwasser eine fast konstante Temperatur aufweist. Der Betriebsstrom für die Pumpen und Aggregate wird durch ein hauseigenes Blockheizkraftwerk erzeugt und die Abwärme wiederum zum Heizen genutzt.
Für die Landeshauptstadt und das Siedlungswerk ist dies einen Meilenstein auf dem Weg zu einem bewussten Umgang mit vorhandenen Ressourcen, denn heute gehen selbst bei modernem Dämmstandard der Gebäude noch etwa 15 Prozent der Energie durch das Abwasser verloren. Die Partner haben das Konzept zusammen mit dem Büro EGS-Plan entwickelt.
Matthias Hahn, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt: „Mit diesem Konzept liegt das Siedlungswerk ganz auf der Linie der Stadt zum Umgang mit Energie: Im ersten Schritt wird der Energieverbrauch reduziert. Dazu wurden die bei Projektbeginn geltenden gesetzlichen Vorgaben (Energieeinsparverordnung 2007) um mehr als 30 Prozent unterschritten. Im zweiten Schritt wird das lokal vorhandene Energiepotenzial –in diesem Fall Abwasserwärme – zur Deckung des Energiebedarfs genutzt. Insofern ist es ein sehr gelungenes Vorhaben zur Schonung von Ressourcen“.
Bruno Möws, Geschäftsführer Siedlungswerk: „Wir überlegen bei jeder größeren Grundstücksentwicklung, welche und wie viele Anteile Energie aus dem Grundstück für Heizung aktiviert werden können. Und das nicht nur auf der ‚grünen Wiese’, sondern insbesondere im dicht bebauten Umfeld. Speziell in Bad Cannstatt wird durch die gewählte Abwassernutzung kein Feinstaub freigesetzt. Auch die Mineralwasserzone wird nicht angerührt. Die künftigen Bewohner können sich über saubere Luft in ihrem Quartier freuen.“
Für die Wärmelieferung wurde ImmoTherm GmbH als Betreiber gewonnen. Die Eigentümer müssen sich damit nicht um Betriebsführung, Instandhaltung oder Instandsetzung kümmern. Diese Heiztechnik ist in ihren Investitionskosten zunächst teurer als ihre Alternativen. Dennoch liegt der Wärmepreis für den Endkunden in üblicher Höhe. Mit steigenden Energiekosten wird die nachhaltige und ökologische Konzeption ihre Vorteile ausspielen können.
Das Siedlungswerk hat in den letzten Jahren rund 3.000 Häuser und Wohnungen mit einem ökologischen Energiekonzept verwirklicht.